Gülle ist Gift für die Ostsee

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Am 4. November 2018 wurde Warnemünde vom Greenpeace-Schiff "Beluga II" besucht. Viele Rostocker kamen, um nicht nur einen Blick zu riskieren, sondern das Schiff zu besichtigen und eigene Wasserproben im Labor an Bord auf Nitrat und Phosphat testen zu lassen. Ergänzt wurde der Tag durch einen Vortragsabend im Zentrum mit Referenten von Greenpeace Deutschland und dem Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde.
6 Uhr am Morgen des 4. November 2018: Es ist dunkel, kalt und die Luft ist feucht. Die meisten Rostocker*innen liegen wohl noch im Bett und genießen ihre verdiente Sonntagsruhe. Doch ein paar Menschen sind bereits auf den Beinen und machen sich auf den Weg nach Warnemünde. Durch den Schienenersatzverkehr brauchen sie etwas länger als gewohnt, doch so haben sie die Gelegenheit, in Gedanken noch einmal den Plan für den Tag durchzugehen – schließlich haben sie heute noch einiges vor.
Kurz nach 8 Uhr kommen die ehrenamtlichen Aktivisten von Greenpeace Rostock – das sind wir! – in Warnemünde an. Vom Bahnhof aus sind es nur noch ein paar Meter, dann sind wir am Ziel: am Passagierkai und am Liegeplatz der "Beluga II", dem Schiff von Greenpeace Deutschland. Schnell bemerkt uns der Kapitän und holt uns an Bord. Die meisten Anwesenden scheinen nicht gerade Freunde der Uhrzeit und des Wetters zu sein, doch die Begrüßung ist herzlich. Nach kurzer Absprache über den Ablauf wird auch schon ausgepackt: Tische, Infowände, Banner, Flyer. Die grünen Jacken dürfen natürlich nicht fehlen.
 
Nachdem alles aufgebaut ist und das große "Gülle ist Gift für die Ostsee"-Banner zwischen den beiden Masten der "Beluga II" im kalten Wind flattert, gibt es einen Rundgang.  Das Greenpeace-Segelschiff ist nach dem Prinzip des holländischen Klippers speziell für Fluss- und Küstenfahrten konzipiert. Der geringe Tiefgang und der am Boden abgeflachte Schiffskörper ermöglichen sogar Fahrten durch Flachwasserzonen und Flüsse. Problemlos kann die Beluga II im Watt trockenfallen und mit der nächsten Flut wieder Fahrt aufnehmen. Das Geld für die Beluga II stammte aus dem Nachlass Ilse Vormanns. Die Düsseldorferin hatte einen Teil ihres Vermögens an Greenpeace gespendet. Eine Gedenktafel, die an die Spenderin erinnert, sehen wir heute auf der Brücke.
 
Nach einer kurzen Pause stehen auch schon die ersten Rostocker*innen am Kai. Das Thema heute: Tote Zonen in der Ostsee durch zu viel Gülle auf den Feldern. Die überschüssigen Nährstoffe gelangen ins Grundwasser und über die Flüsse – wie auch unsere Warnow – in die Ostsee. Dort führen sie zu starker Algenbildung. Die Algen wiederum werden später von Mikroben zersetzt und der Sauerstoff im Wasser wird aufgebraucht – Tiere und Pflanzen sterben.
 
"Was kann ich alleine denn tun?", "Da muss doch die Politik was machen!", "Wie schlimm ist es denn jetzt schon?" – viele Fragen werden uns gestellt, viele Sorgen mitgeteilt. Wir geben unser möglichstes, sie zu beantworten und ermutigen die Besucher*innen, eine Botschaft an die Landwirtschaftsministerin zu schicken.
 
Gleichzeitig führen zwei von uns alle Interessierten über das Schiff und erzählen Details über Instrumente, die Kampagne und vor allem auch den kleinen Laborcontainer, der im Laderaum der "Beluga II" steht. Hier werden die Messdaten ausgewertet, welche die beiden Wissenschaftler an Bord auf der Tour gesammelt haben. Hier werden aber auch die Wasserproben untersucht, die Besucher*innen mitgebracht haben. Im Labor ist dadurch immer etwas los. Doch nicht nur dort, auch der Rest des Schiffs ist immer belebt – wenn man mit einer Führung fertig ist, steht bereits die nächste Gruppe bereit.
 
Auch am Infostand vor dem Schiff herrscht reges Treiben. Wir führen interessante Unterhaltungen und sogar ein Landwirt im Ruhestand besucht uns. Man diskutiert angeregt die Agrarwende und wie man sie schaffen kann. Am Ende nimmt er sich Infomaterial von uns mit. Bis 17 Uhr besuchen uns über 200 Rostocker*innen. Mit unserer Besetzung kamen wir kaum hinterher. Etwa die Hälfte von ihnen unterschreibt die Karte an die Ministerin – eine tolle Quote!
 
Damit ist der Tag allerings nicht vorbei: Nach dem Abbau geht's auf zum Peter-Weiss-Haus. Dort haben wir einen Vortragsabend angekündigt, die Redner sind von Greenpeace Deutschland und vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW). Der kleine Saal ist fast voll! Es wird berichtet über die Agrarwende und eine mögliche Umsetzung bis 2050. Weniger Gülle, weniger Treibhausgase, mehr Artenvielfalt und eine bessere Tierhaltung: Es ist nicht einfach, all das zu schaffen, aber es ist auf jeden Fall möglich. Die beiden Referenten vom IOW präsentieren die Forschungsergebnisse zu den toten Zonen und erklären, wie gemessen wird und wie das einmalige Ökosystem Ostsee funktioniert.
 
Nach den Vorträgen gibt es wieder viele Fragen – doch dieses Mal können wir Luft holen, die Vortragenden sind dran.
 
Am Ende des Tages – es ist inzwischen 21.30 Uhr – sind wir erschöpft, aber zufrieden. Der Besuch der "Beluga II" war ein voller Erfolg. Wir konnten viele Menschen informieren und ebenso haben Menschen mit ihren Wasserproben und ihren Erfahrungen zu unserem Wissen beigetragen.
 
Einen Tag später, am Montag, treffen wir uns wie immer um 19 Uhr zum Plenum im Projektraum. Am Warnowufer 29 sitzen wir zusammen, schauen uns die Zeitungsberichte an und jeder berichtet kurz von seinen Erfahrungen. Kurz, weil wir bereits die nächsten Aktionen planen. Für die Umwelt gibt es immer etwas zu tun – für sie steht man auch am Sonntag gerne um 6 Uhr auf.
 
~FB

Weiterführende Links

Greenpeace-Schiff in Rostock
Greenpeace macht Station in Warnemünde
Forschungsschiff Beluga legt in Warnemünde an

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